Geschäftsbericht 2019

Geschäftsbericht
2019

„Das Abwicklungsergebnis optimieren“

 

Ein Gespräch mit dem EAA-Vorstand zu Erfolgen und Perspektiven


Die EAA hat 2019 erstmals seit 2011 Verlust gemacht. Was ist der Grund, und was bedeutet das für die weitere Abwicklung der Risikopositionen der ehemaligen WestLB?

Horst Küpker:
Verluste sind in dieser Arbeitsphase Teil unseres Abwicklungsplans. Die EAA ist bei der Umsetzung ihres Auftrags, die Portfolios der ehemaligen WestLB abzubauen, sehr gut vorangekommen. Wir haben bereits rund 90 Prozent der übernommenen Finanzprodukte abgewickelt. Die Erträge sinken in dieser späten Phase des Abbaus zwangsläufig schneller als die Kosten, was aber von Beginn an einkalkuliert war. Die Abbauziele sind dadurch nicht in Frage gestellt.

Christian Doppstadt:
Für den anhaltenden Erfolg unserer Arbeit ist es wichtig, dass die EAA bisher mehr Reserven aufbauen konnte als erwartet. Dabei haben wir auch von der positiven Entwicklung an den Finanzmärkten profitiert, die zu steigendem Risikoappetit und wachsender Kauflust bei Investoren geführt hat. Zugleich ist es uns, beispielsweise durch Restrukturierungen, gelungen, Werte zu heben und zudem die Kosten kontinuierlich zu senken. Seit 2012 um rund zwei Drittel.


 

Horst Küpker
Mitglied des Vorstands

Wie stabil ist die EAA, vor allem auch angesichts der Coronakrise? Wird sie ihre Abwicklungsziele erreichen?

Horst Küpker:
Die EAA steht auf einem soliden Fundament. Da die Abwicklung bereits viel weiter fortgeschritten ist als ursprünglich geplant, sind die mit dem Portfolio der ehemaligen WestLB verbundenen Risiken massiv gesunken. Das ist eine gute Entwicklung für die öffentlichen Garantiegeber. Dank der Reserven, die wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, und einer überwiegend guten Qualität des verbliebenen Portfolios ist die EAA auch gegen krisenhafte Entwicklungen deutlich besser gewappnet als in der Vergangenheit. Wie sich die Coronakrise auf das Restportfolio auswirkt, bleibt abzuwarten. Aber jeder Schritt, mit dem wir bisher für einen schnelleren Abbau gesorgt haben, hilft in dieser außergewöhnlichen Situation. Und wir werden auch vor diesem Hintergrund alles daransetzen, unsere Abwicklungsziele zu erreichen.

Wie sah Ihre bisherige Planung aus? Können Sie das hohe Abbautempo beibehalten?

Christian Doppstadt:
Auch im Jahr 2019 haben wir im Portfolioabbau große Fortschritte erzielt. In der Planung sind wir davon ausgegangen, dass es 2020 mindestens ebenso gut vorangeht. Wir haben verschiedene Strategien zum weiteren Abbau von Vermögenspositionen entwickelt. Ein Schwerpunkt ist die Abwicklung des Handelsbestands. Auch für das Kreditportfolio ist ein Bündel von Abwicklungsmaßnahmen vorgesehen. Wir können allerdings schon jetzt absehen, dass die Umsetzung sich infolge der Coronakrise zumindest teilweise verzögern wird, insbesondere bei Projektfinanzierungen, etwa für Mautstraßen oder Flughäfen.


 

Christian Doppstadt
Mitglied des Vorstands

Zielen Ihre Strategien insbesondere auf den Verkauf großer Pakete ab?

Horst Küpker:
Die EAA ist in ihrer Strategie flexibel. Wir konzentrieren uns darauf, das gesamte Abwicklungsergebnis zu optimieren. Daher zählt nicht der schnelle Verkauf großer Portfolios. Die Verkaufsentscheidungen richten sich vielmehr nach dem Preis, den wir am Markt erzielen können. Darüber hinaus wägen wir sehr genau ab, in welchem Umfang wir zugleich Risiken und Kosten abbauen können. Es wird auch weiterhin Positionen geben, die wir bis zur Fälligkeit halten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Der Verkauf der irischen Tochter, der EAA Covered Bond Bank (CBB), wird nicht umgesetzt. Belastet das Ihre Planung?

Christian Doppstadt:
Die Aufsichtsbehörden haben dem Investor mitgeteilt, dass ein Transfer nur unter Auflagen genehmigt würde. Angesichts dessen haben sich die EAA und der Investor verständigt, den Kaufvertrag aufzuheben. Wir werden die EAA CBB abwickeln. Das erhöht den operativen und zeitlichen Aufwand, aber von einer Belastung für die Planung würde ich nicht reden. Negative Folgen für unser Abwicklungsergebnis können wir voraussichtlich begrenzen oder sogar gänzlich vermeiden.

Horst Küpker:
Wir bedauern die Entwicklung allerdings für die verbliebenen Beschäftigten der CBB. Wir hätten ihnen gerne eine Zukunftsperspektive geboten, wie uns das in der Vergangenheit auch bei anderen Beteiligungsverkäufen gelungen ist. Denn ohne das große Engagement der Beschäftigten der EAA und ihrer Tochtergesellschaften wäre die Abwicklung bisher nicht so erfolgreich verlaufen.

Die EAA ist jetzt seit gut zehn Jahren operativ tätig, Sie beide sind seit Jahren dabei. Wie sieht Ihr persönliches Fazit aus?

Horst Küpker:
Die Entscheidung, die Risikopositionen der ehemaligen WestLB mit Hilfe einer öffentlich-rechtlichen Abwicklungsanstalt abzubauen, war richtig. Es ist gelungen, den größten Teil des übernommenen Milliardenportfolios kontrolliert abzuwickeln und Verluste zu minimieren. So wurden Risiken in Milliardenhöhe abgewendet. Der Haftungsschirm, den die öffentlichen Eigentümer für die EAA gespannt haben, wurde bisher nicht in Anspruch genommen. Das kann man als erstes Fazit festhalten, auch wenn noch ein Restportfolio abzuwickeln bleibt.

Christian Doppstadt:
Die EAA ist ohne Blaupause bei null gestartet und in kürzester Zeit so ausgebaut worden, dass sie in der Spitze ein dreistelliges Milliardenportfolio managen konnte. Anschließend hat sich die Organisation parallel zu den Fortschritten im Portfolioabbau kontinuierlich zurückgebaut. Das alles in gut zehn Jahren. Diesen Prozess mitzugestalten, ist eine besondere Erfahrung. Alle in der EAA können stolz darauf sein, dass die EAA als Organisation während der gesamten Zeit operativ stabil war. Für mich zeigt das auch, dass wir mit Blick auf das Personalmanagement vieles richtiggemacht haben. Die Beschäftigten hatten und haben die Expertise, das Engagement und die nötige Professionalität, um sich flexibel auf den ständigen Wandel und die Herausforderungen einzustellen.

Horst Küpker:
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EAA haben wesentlich dazu beigetragen, die ehemalige WestLB im Jahr 2012 ohne große Verwerfungen vom Markt zu nehmen und dafür gesorgt, dass der Großteil des übernommenen Milliardenportfolios quasi geräuschlos abgebaut werden konnte. Dabei war und ist allen hier klar, dass sie in einer Abwicklungsanstalt täglich auch daran arbeiten, den eigenen Arbeitsplatz überflüssig zu machen.